Meine erste Arbeitswoche 2015

Es war politisch eine ereignisreiche Woche. Es gäbe viel zu sagen. Vieles wurde schon gesagt, manches wäre vielleicht besser ungesagt geblieben.

Ich möchte zu den Geschehnissen hier lieber schweigen. Stattdessen will ich mal einen kleinen Einblick in meinen Arbeitsalltag geben, da ich danach immer wieder gefragt werde.

Am Montag begann das Arbeitsjahr mit zwei Figuren die mich schon eine Weile begleiten.

Am Vormittag die Feuerwehrfrau Gabriella Dawson aus der Serie „Chicago Fire“ und am Nachmittag Lady Mary aus Downton Abby. Wenn Gabby im Einsatz ihren Helm trägt trage auch ich einen Schirm damit es authentisch klingt. So wie ich als Ärztin in Grey’s Anatomy oft mit Atemmaske vor dem Mikrofon stehe.

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Für die verwitwete Aristokratin Mary ist gerade der Anspruch auf eine selbstbestimmte Sexualität ein wichtiges Thema.

Lady Mary: „Es wäre wohl nicht möglich dass eine Frau mit einem Mann ins Bett stieg, weil sie es so entschied?“

Am Dienstag lieh ich einer Drohnenpilotin im Film „Good Kill“ meine Stimme. Der Film setzt sich kritisch mit den Widersprüchen von Drohneneinsätzen in Kriegsgebieten auseinander. Die Schauspielerin Zoe Kravitz habe ich bereits zuvor synchronisiert.

Suarez: „Wir sind doch nicht die Scheiß Hamas!“

Die Umstellung zur stets standesgemäß artikulierenden Lady Mary am Nachmittag war schon eine Herausforderung.

Am Mittwoch begleitete ich als Merida vom DunBraugh Clan die Spielenden eines Konsolenspiels. Ich habe sie schon oft in Spielen, Trailern und Merch vertont. Eine der besten Disneyprinzessinnen! Hier hat man oft mehr schauspielerischen Gestaltungsspielraum als wenn man einer Originalschauspielerin gerecht werden muss.

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Merida: „Mutter sagt immer Prinzessinnen sollten keine Waffen tragen. Los, zeigen wir’s ihr!“

Am Nachmittag war ich wieder die Feuerwehrfrau Gabriella und am Abend sprach ich den Trailer für den Film „Focus“ ein. Mit der Schauspielerin Morgot Robbie war ich bereits im Film „The Wolf of Wallstreet“ an der Seite von Leonardo DiCaprio befasst. Hier spielt sie nun eine Ganovin im Team mit Will Smith. Die Aufnahmen beginnen nächste Woche.

„Können wir den Teil überspringen in dem ich dich glauben lasse, dass es erdbebenmäßigen Sex gäbe?“

Am Donnerstag stritt ich mich mit Jimi Hendrix als eine seiner Geliebten im Film „All is by my side“ der in Deutschland leider nie ins Kino kam.

Fayne: „Und komm bloß nicht mit weiteren Alben von diesen weißen Kerlen zurück! Hörst du, Jimi?“

Am Nachmittag hatte ich einen Gastauftritt in einer Serie, in der ich eine skrupellose Geschäftsfrau im Krankenhaus Management gab.

Am Freitag hatte ich frei und konnte mich auf die Sitzungen der Bezirksverordnetenversammlung und meine Arbeit für nächste Woche vorbereiten. Und zocken.

Ich hoffe die, die es interessiert konnten einen kleinen Einblick in meinen Arbeitsalltag gewinnen und hatten Spaß daran.

Gibt es etwas bestimmtes was euch noch interessieren würde? Habt ihr noch Fragen? Ich beantworte sie euch gerne in den Kommentaren!

Mein offener Brief an die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) von 2011

Ich hab auch schon mal einen offenen Brief geschrieben. Damals als das noch cool war. 😉 Ende 2011 an die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten. Ich begründete darin warum ich in Zukunft auf die Verwertung meiner Leistungsschutzrechte verzichten würde. Es war die Zeit als PIRATEN „Netzmaoisten“ genannt wurden und mir kurz darauf bei der GVL Vollversammlung wegen eines PIRATEN-Shirts vor die Füße gespuckt wurde. Jaja, damals.

 

Ich würde das heute anders schreiben. Aber da ich nicht mehr weiß wo ich das veröffentlicht hatte und es mir beim Aufräumen des Desktops in die Hände fiel, poste ich es noch mal.

Ich bin sicher es ist für viele von euch nach wie vor interessant.

 Sehr geehrter Herr Evers, sehr geehrter Herr Dr. Gerlach,

mein Name ist Anne Helm und ich werde in meiner Arbeit als Synchronschauspielerin und Sängerin seit vielen Jahren durch die GVL vertreten. Außerdem bin ich seit Sommer 2009 Mitglied der Piratenpartei Deutschland, für die ich im September in die Bezirksverordnetenversammlung Neukölln einzog.

Ich werde den Wahrnehmungsvertrag, der rückwirkend ab dem 01.01.2010 in Kraft treten soll, nicht unterzeichnen und damit auf die Wahrnehmung meiner Leistungsschutzrechte durch Sie verzichten. Im Folgenden möchte ich Ihnen gerne erläutern wieso ich mich so entschieden habe.

ARTSYS:

Das neue Berechnungsverfahren und das damit verbundene Nutzersystem ARTSYS haben Ihnen bereits viel Kritik eingebracht. Die Recherche, die dieses System fordert, ist gerade für meine Berufsgruppe der Synchronschauspieler_innen, mit einem immensen Zeitaufwand verbunden. Einige geforderte Angaben sind von uns überhaupt nicht zu treffen und veranlassen uns nach eigenem Ermessen vorzugehen. Einige Kollegen bezahlen bereits Kräfte für diese Arbeit. Des Weiteren bestehen nach wie vor erhebliche datenschutzrechtliche Bedenken gegen das System.

Als dann die Ausschüttung für 2010 etwa 1% des Volumens der Vorjahre betrug, war dieser Mehraufwand in den Augen vieler Kollegen nicht mehr zu rechtfertigen. Zwar wurden nachträgliche Ausschüttungen versprochen, über die voraussichtliche Höhe und den Zeitpunkt wurden wir aber im Dunkeln gelassen und immer wieder vertröstet.

Zwar leuchtet ein, dass die Umstellung auf das neue komplizierte Berechnungssystem einen erheblichen Verwaltungsmehraufwand zur Folge hat, als Erklärung der Einnahmeausfälle kann dies allerdings nicht genügen. Eine Offenlegung der von Ihnen in Rechnung gestellten Verwaltungskosten wäre sicherlich förderlich für das Vertrauen in die GVL. Ihre Selbstverwaltung bleibt für die Berechtigten aber weiter völlig intransparent.

Des Weiteren empfinden viele Kollegen das neue Berechnungssystem und die Gewichtung von Leistungen als willkürlich und ungerecht. Änderungsvorschläge werden konsequent ignoriert.

IHR POLITISCHES WIRKEN:

Obwohl ich Ihnen vertraglich lediglich das Recht einräume meine Leistungsschutzrechte gegenüber Dritten wahrzunehmen, zählen sie es offenbar zu Ihren Aufgaben im Namen der Berechtigten auf die Politik und den gesellschaftlichen Diskurs aktiv Einfluss zu nehmen.

So haben Sie beispielsweise zu Ihrem „Parlamentarischen Abend“ am 21. September letzten Jahres Volker Kauder (CDU) eingeladen, damit er sein sogenanntes „2-Strikes-System“ vorstellt. Dieses sieht vor Bürger bei Verdacht auf wiederholte Urheberrechtsverstöße ohne Gerichtsverfahren vom Gebrauch des Internets auszuschließen. Derart repressive und überzogene Forderungen können weder im Interesse der Nutzer, noch der Künstler die ihre Kunst über die neuen Medien verbreiten liegen.

Meine Interessen vertreten Sie mit diesem Weg jedenfalls nicht. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die GVL und andere Verwertungsgesellschaften längst nur noch eigene Lobbyinteressen vertreten. Statt nach zukunftsfähigen Verwertungsmodellen zu suchen, die Nutzern und Schaffenden gegenüber gerecht und in der digitalen Gesellschaft umsetzbar sind, wird versucht veraltete Modelle auf Kosten von Künstlern und durch Kriminalisierung von Nutzern durchzudrücken. Vor der Forderung nach Beschneidung der Bürgerrechte wird nicht halt gemacht.

Die Aussage von Dr. Gerlach „Die Forderung der Piratenpartei nach einem freien Netz katapultiert die Inhaltproduzenten hinter den Stand der französischen Revolution zurück“, halte ich für völlig absurd und für einen Missbrauch von realen Existenzängsten von Künstlern und anderen Schaffenden.

 

DER VERTRAGSUMFANG:

Gerade in Hinblick auf Ihre politischen Forderungen macht mir der Umfang des Wahrnehmungsvertrages große Sorgen.

Im Besonderen die weltweite Durchsetzung von Ansprüchen auf Unterlassung, Vernichtung und Schadensersatz in folgenden Fällen kann ich der GVL nicht überlassen, oder ihr das Recht einräumen sie an Dritte zu übertragen:

-Darbietung in einer Sammlung für Kirchen-, Schul- oder Unterrichtsgebrauch durch Schüler oder Lehrer (§ 46 IV UrhG)

-die Verbreitung von Darbietungen an behinderte Menschen, soweit dies zur Ermöglichung des Zugangs zur sinnlichen Wahrnehmung der Aufnahmen erforderlich ist (§ 45 a II UrhG)

-die öffentliche Zugänglichmachung von Darbietungen für Unterricht und Forschung (§ 52 a IV UrhG)

 

 

Im Gegensatz zu Herrn Dr. Gerlach halte ich Kunst durchaus für einen Selbstzweck. Deshalb nutze ich die Zeit, die ich für die Recherche für das neue Meldesystem aufbringen müsste, lieber um künstlerisch tätig zu werden oder meinen politischen Interessen SELBST Ausdruck zu  verleihen. Die GVL brauche ich weder für das eine noch für das andere.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Anne Helm

Synchronschauspielerin, Sängerin und Mitglied der Piratenpartei Deutschland