Meine Bewerbungsrede für die Liste der LINKEN zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses

Am 12. und 13. März fand die Landesvertreter/innen-Versammlung der Berliner LINKEN in Adlershof statt. Die Vertreter/innen wählten mich hierbei auf Listenplatz 19. Ich möchte mich sehr herzlich für das Vertrauen und die Unterstützung bedanken. Ich freue mich sehr auf den Wahlkampf mit dem großartigen Team um Klaus Lederer und Katrin Lompscher!

Hier meine Bewerbungsrede:

Liebe Genossinnen, liebe Genossen,
Mein Name ist Anne Helm, ich bin 29 Jahre alt und hauptberuflich Synchronsprecherin.

Wie ich gestern schon festgestellt habe kennen viele von euch mich noch aus der Zeit meines Engagements für die Piratenpartei, bei der ich von 2009 bis 2014 Mitglied war und für die ich in den letzten 5 Jahren Politik in der Neuköllner BVV gemacht habe und für die ich Bundesbeauftragte für Asyl- und Migrationspolitik war.

Ich trat damals ein für eine Bewegung, die in der Digitalen Revolution ein enormes emanzipatorisches Potential sah. Wir wollten die neuen Möglichkeiten zur Selbstorganisation und des freien Informationsaustausches die wir im Netz nutzen gelernt hatten, auch gesellschaftlich nutzbar machen.
Aber auch die Gefahren neuer Repressionsmöglichkeiten und ausufernder Überwachung die diese Entwicklung mit sich bringt sind mir bewusst.

Unser Privatleben wird mittlerweile lückenlos ausgewertet und kapitalistisch verwertet. Alles was wir online tun wirkt sich mittlerweile auf unsere Kreditwürdigkeit aus. Es ist nur oberflächlich betrachtet ein Widerspruch, dass die Menschen durch die Digitalisierung über alle Grenzen hinweg zusammenrücken und auf der anderen Seite durch Satellitenüberwachung und Smartborders eine Abschottung in völlig neuem Ausmaß ermöglicht wird.

Es geht also -wie so oft- um einen Verteilungskampf der seit mehreren Jahren in und um das Netz tobt. Neue Arbeitsmodelle und Rationalisierung durch Digitalisierung werfen alte und neue Probleme auf für die niemand außer uns inkludierende Lösungen hat. Es braucht soziale und sozialistische Lösungen für die Informationsgesellschaft, wie es sie schon für die Gesellschaft der industriellen Revolution brauchte. Die neu gewonnene Freizeit muss gerecht verteilt und die Stigmatisierung von Erwerbslosigkeit beendet werden. Wenn wir diesen Verteilungskampf verschlafen, haben wir ihn schon verloren.

Ich will diese Lösungen konkret hier mit Euch in Berlin umsetzen. Wir können diese Stadt zu einer schöneren und gerechteren machen.
Zu einer Stadt, in der man für antifaschistisches Handeln nicht kriminalisiert wird.

Zu einer Stadt, in der Geflüchtete selbstbestimmt leben können statt in Bunkern, die zufällig dem Patensohn eines leitenden Beamten gehören.

Eine Stadt in der jede und jeder unabhängig vom Einkommen lebenswert wohnen kann, ohne den eigenen Lebensentwurf dem Mietmarkt unterwerfen zu müssen.

Eine Stadt, in der bereits hier prekär Lebende nicht in einen Konkurrenzkampf mit Geflüchteten eingepeitscht werden.

Ein positiver Gegenentwurf zu der angstschürenden -mindestens angstgetriebenen- Politik der großen Koalition braucht Mut. Diesen Mut aufzubringen ist antifaschistisches Gebot der Stunde. Dem Trend, den Drohungen und Angstszenarien von Rechts in vorauseilendem Gehorsam stattzugeben, müssen wir kompromisslos widerstehen. Dafür müssen wir auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und diese auch konsequent zu nutzen. Weitere Privatisierung von öffentlichem Wohnraum, Ghettos für Geflüchtete und ein weiterer Personalabbau in den maroden Behörden stehen diesem Entwurf unvereinbar entgegen und können kein Teil seiner Umsetzung sein.

Ich will, dass wir als LINKE auch im Innenressort Teil der Lösung sind. Nach 5 Jahren Henkel müssen ein paar der schlimmsten Hinterlassenschaften aufgeräumt werden. Das Demoüberwachungsgesetz, das Demonstrationsteilnehmer*innen abschrecken, soll muss weg. Wir müssen der Härtefallkommission für Geflüchtete wieder Gehör verschaffen, damit Geflüchtete nicht in rassistischer Praxis im Zweifel grundsätzlich abgeschoben werden. Wir müssen dafür sorgen, dass Berlin nicht mehr abschiebt, und schon gar nicht im lebensgefährdenden Winter oder aus dem Klassenzimmer heraus. Und wir müssen weitere Zwangsräumungen mithilfe der Polizeischlagstockes verhindern.
Für all das braucht es wohl eine LINKE Regierungsbeteiligung. Und nur diese Aufgaben und Ideen können die Argumente sein, auf deren Grundlagen es sich lohnt für eine Regierungsbeteiligung zu werben, alles andere ist Quark!

Meine erste Arbeitswoche 2015

Es war politisch eine ereignisreiche Woche. Es gäbe viel zu sagen. Vieles wurde schon gesagt, manches wäre vielleicht besser ungesagt geblieben.

Ich möchte zu den Geschehnissen hier lieber schweigen. Stattdessen will ich mal einen kleinen Einblick in meinen Arbeitsalltag geben, da ich danach immer wieder gefragt werde.

Am Montag begann das Arbeitsjahr mit zwei Figuren die mich schon eine Weile begleiten.

Am Vormittag die Feuerwehrfrau Gabriella Dawson aus der Serie „Chicago Fire“ und am Nachmittag Lady Mary aus Downton Abby. Wenn Gabby im Einsatz ihren Helm trägt trage auch ich einen Schirm damit es authentisch klingt. So wie ich als Ärztin in Grey’s Anatomy oft mit Atemmaske vor dem Mikrofon stehe.

chicagofire

Für die verwitwete Aristokratin Mary ist gerade der Anspruch auf eine selbstbestimmte Sexualität ein wichtiges Thema.

Lady Mary: „Es wäre wohl nicht möglich dass eine Frau mit einem Mann ins Bett stieg, weil sie es so entschied?“

Am Dienstag lieh ich einer Drohnenpilotin im Film „Good Kill“ meine Stimme. Der Film setzt sich kritisch mit den Widersprüchen von Drohneneinsätzen in Kriegsgebieten auseinander. Die Schauspielerin Zoe Kravitz habe ich bereits zuvor synchronisiert.

Suarez: „Wir sind doch nicht die Scheiß Hamas!“

Die Umstellung zur stets standesgemäß artikulierenden Lady Mary am Nachmittag war schon eine Herausforderung.

Am Mittwoch begleitete ich als Merida vom DunBraugh Clan die Spielenden eines Konsolenspiels. Ich habe sie schon oft in Spielen, Trailern und Merch vertont. Eine der besten Disneyprinzessinnen! Hier hat man oft mehr schauspielerischen Gestaltungsspielraum als wenn man einer Originalschauspielerin gerecht werden muss.

merida

Merida: „Mutter sagt immer Prinzessinnen sollten keine Waffen tragen. Los, zeigen wir’s ihr!“

Am Nachmittag war ich wieder die Feuerwehrfrau Gabriella und am Abend sprach ich den Trailer für den Film „Focus“ ein. Mit der Schauspielerin Morgot Robbie war ich bereits im Film „The Wolf of Wallstreet“ an der Seite von Leonardo DiCaprio befasst. Hier spielt sie nun eine Ganovin im Team mit Will Smith. Die Aufnahmen beginnen nächste Woche.

„Können wir den Teil überspringen in dem ich dich glauben lasse, dass es erdbebenmäßigen Sex gäbe?“

Am Donnerstag stritt ich mich mit Jimi Hendrix als eine seiner Geliebten im Film „All is by my side“ der in Deutschland leider nie ins Kino kam.

Fayne: „Und komm bloß nicht mit weiteren Alben von diesen weißen Kerlen zurück! Hörst du, Jimi?“

Am Nachmittag hatte ich einen Gastauftritt in einer Serie, in der ich eine skrupellose Geschäftsfrau im Krankenhaus Management gab.

Am Freitag hatte ich frei und konnte mich auf die Sitzungen der Bezirksverordnetenversammlung und meine Arbeit für nächste Woche vorbereiten. Und zocken.

Ich hoffe die, die es interessiert konnten einen kleinen Einblick in meinen Arbeitsalltag gewinnen und hatten Spaß daran.

Gibt es etwas bestimmtes was euch noch interessieren würde? Habt ihr noch Fragen? Ich beantworte sie euch gerne in den Kommentaren!

Ein Leben auf #6qm

IMG_3231Am Samstag den 23.08. haben der Flüchtlingsrat Sachsen, die Linke und die Piraten in der Dresdener Innenstadt mit einer Aktion auf die menschenunwürdigen Umstände aufmerksam gemacht unter denen Asylsuchende in Deutschland leben.

Symbolisch zeigten wir die #6qm die Menschen im Asylverfahren in Deutschland zustehen und auf denen sie teils jahrelang zusammengepfercht mit anderen in Sammelunterkünften leben.

Neben viel Interesse und Nachfragen stießen wir bei der Aktion aber auch auf Unverständnis und ganz offen geäußertem Rassismus. Auch deshalb war es mir ein dringendes Bedürfnis an die genau vor 22 Jahren stattfindenden rassistischen Pogrome in Rostock Lichtenhagen zu erinnern.

Gerade in Zeiten in denen sich weltweit über 50 Millionen Menschen auf der Flucht befinden und zwei rechtsradikale Parteien drohen in den sächsischen Landtag einzuziehen ist es sehr wichtig ein klares Zeichen für Menschlichkeit und gegen Rassismus zu setzen. Während die große Koalition die Kriminalisierung und Isolation von Menschen auf der Flucht weiter vorantreibt und die CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD in Sachsen vorbereitet dürfen diese Probleme nicht aus Angst den Anschluss an rassistische Ressentiments zu verlieren verschwiegen werden.

Meine Rede auf der Veranstaltung findet ihr hier:

Da es mir auch ein besonderes Bedürfnis war in meinem Beitrag auch die Refugeebewegung und ihren mutigen Kampf für ihre Menschenrechte zu würdigen empfinde ich es als besonders bitter, dass heute während ich diesen Beitrag schreibe 108 der Flüchtlinge vom Oranienplatz vom Berliner Senat auf die Straße gesetzt werden und nun wieder massiv von Abschiebung bedroht sind. Das widerspricht allen zuvor getroffenen Absprachen. Auch hier zeigt sich wieder die Kälte der großen Koalition, die 1993 in Konsequenz aus den rassistischen Pogromen einen schweren Eingriff in die Verfassung vornahm und das Grundrecht auf Asyl faktisch abschaffte.

 

Ich danke den Piraten Sachsen für ihren mutigen Wahlkampf und @RiloKiley1 für die Orga in Dresden.

 

 

Rückblick auf die #Hanfparade 2014

Am letzten Samstag habe ich im dritten Jahr in Folge auf der Hanfparade gesprochen.

Ich will euch kurz ein paar Eindrücke geben:

 

Die Stimmung war wie immer sehr gut, das Bündnis breit und die Organisation von Steffen Geyer toll!

Wir hatten einige aktuelle Veränderungen zur Legalisierung von Cannabis zu thematisieren. Zum einen die Liberalisierung in einigen US-Staaten, zum anderen das Gerichtsurteil, das es Schmerzpatienten unter gewissen Umständen erlaubt selbst Cannabis anzubauen.

Leider hatte die Demonstration mit 6000 weniger Teilnehmer*innen als wir uns erhofft hatten. Auch habe ich das Gefühl, dass trotz Expertenmeinungen und kleinen Erfolgen vor Gericht die Debatte in der Öffentlichkeit nicht wirklich vorankommt. Immer noch werden Aktivist*innen und Politiker*innen die sich für eine Entkriminalisierung einsetzen belächelt. Entgegen anders lautender Wahlversprechen wird sich im Parlament ungern aktiv dafür eingesetzt. Vielleicht aus Angst den Anschluss an die vorurteilsbehaftete bürgerliche Mitte zu verlieren.

Mehr Mut wäre dringend notwendig um eine Enttabuisierung in der öffentlichen Debatte zu erreichen und Betroffene von Repressionen unterstützen zu können.

Meine diesjährige Rede findet ihr hier:

 

Danke an @JeZ_Zc die die Orga für die Piratenpartei übernommen hat und an alle die anderen Beteiligten.