Warum ich ohne AntiFa-Strukturen keine Politik machen kann

Ich habe mich in den letzten Wochen nicht mehr sicher gefühlt in meiner Wohnung. Der Grund dafür ist ein Einbruchsversuch. Unschön – passiert.
Immer wieder aber kommt es zu versuchten oder erfolgreichen Einbrüchen in die Wohnungen von Berliner AntiRa-Aktivist*innen. Einige konkrete Hinweise lassen vermuten, dass auch in meinem aktuellen Fall ein politisch rechter Hintergrund besteht.

Neu ist das für mich nicht. Vor einem Jahr hat es schon einmal eine Welle von Angriffen auf AntiRassist*innen gegeben, bei der unter anderem mein Briefkasten aufgebrochen und Stephan Urbach überfallen wurde. Vermutlich ist das Ziel Angst und Verunsicherung zu schüren und Menschen dazu zu bringen ihr Engagement einzustellen. Dem nachzugeben wäre natürlich ein Sieg für den Naziterror. Dass es bei reiner Einschüchterung bleibt ist Erfahrungen entsprechend wahrscheinlich.

Aber ist gibt ein Problem mit Einschüchterungen – sie schüchtern ein.

 

Auf die guten Tipps mich nicht einschüchtern zu lassen konnte ich nur reagieren, indem ich mich in meiner Wohnung einschloss um mir meine privaten Räume nicht nehmen zu lassen und immer die Straßen abzuscannen bevor ich mein Haus betrat. Ich war bemüht Angst möglicht nicht nach außen zu kommunizieren. Sie war trotzdem da. Und sie lähmte mich.

 

Ich bin sehr froh und dankbar, dass es Menschen in meinem Umfeld gibt, die es als gemeinsame Aufgabe ansehen mich und andere in ähnlichen Situationen zu schützen und zu stärken. Sie können die tatsächliche Gefahrenlage recht gut einschätzen und nehmen mich in der akuten Bedrohungssituation trotzdem ernst. Sie sorgen dafür, dass ich nachts nicht alleine unterwegs sein muss ohne mich eingeschränkt oder bevormundet zu fühlen. Und nicht zuletzt helfen sie mir dabei zu reflektieren, wie ich in Zukunft weiter aktiv sein und mit einer latenten Bedrohung umgehen kann.

 

Während ich Freunde und Familie vielleicht nicht unnötig belasten möchte und der Polizei gegenüber keine politische Motivation nachweisen kann, kennen organisierte Antifaschist*innen Verhaltensmuster und Strategien im Umgang damit und können mich entlasten. Gut vernetzte Strukturen mit einem solidarischen Vertrauensverhältnis sind dafür unverzichtbar.

 

Ob ich weitermache? Natürlich.

Nicht zuletzt weil es offenbar ausreicht, dass ich mich öffentlich dort positioniere wo ich stehe um zum Ziel zu werden: Gegen Rassismus, Isolation und Abschreckung. Für eine Ausweitung von Asylgründen und Schaffung legaler Fluchtwege aus Krisenregionen. Davon kann und werde ich nicht abrücken.

 

Ich empfehle jeder, der ähnliches widerfährt sich an lokale organisierte Antifastrukturen zu wenden und sich Unterstützung bei ReachOut oder anderen Opferberatungsstellen zu holen. Ich bedanke mich aufs herzlichste bei denen, die mich begleitet und unterstützt haben und spreche dringende Folgeempfehlung aus: @_mlx_ @kamilakepys @fhatti @riotbuddha @telegehirn @delta_ware @harryliebs

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